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Gravel

Samstag, 02.10.2010

 

Gott, was bin ich K.O.! Ich wache auf und mir tun schon wieder die Füße weh. Und so einen leichten Muskelkater spüre ich auch.

 

Ich werfe einen Blick aus dem Fenster, es ist sonnig.Ab 7 Uhr tanzt der Bär, d.h. der Baulärm auf der benachbarten Baustelle dringt bis hierher. An- und abfahrende Baufahrzeuge machen einen Lärm der unbeschreiblich ist. Dementsprechend fällt das Frühstück aus, ich mache mir nur eine Kanne Kaffee.

 

Außer mir haben noch ein paar Franzosen und Italiener mit ihren Womo´s hier übernachtet. Bei dem Krach wollen alle gleichzeitig los, an der Ver-und Entsorgung entsteht ein kleiner Stau.

 

Nachdem das Abwasser entsorgt und Frischwasser gebunkert ist, geht es los. Na ja, fast. Gleich ums Eck ist ein Supermarkt, frisches Brot und Obst wandern in meinen Bus. Ohne Mampf kein Kampf!

 

Zur Abwechslung geht es wieder mal zurück. Ich fahre in die Richtung, aus der ich gestern gekommen bin, passiere die Lagune mit den Flamingos und halte mich scharf rechts Richtung Capoterra.

 

Nach den bewegungsarmen Tagen geht es heute mal wieder ein bisschen Wandern. Und zwar im Bereich des Monte Arcosu. Hier soll es die äußerst selten gewordenen Sardischen Hirsche geben. Die Anfahrt durch Capoterra ist nicht zu empfehlen, da das Riserva schlecht ausgeschildert ist. Es empfiehlt sich eher über Macchiareddu anzufahren. Nach ein paar Dreherle finde ich mit Hilfe von ein paar freundlichen Sarden die richtige Straße. Die Anfahrt ist problemlos, nur die letzten 1-2 km sind Schotter. Mit großen Womo´s ist hier Schluss, ein paar "washes" sind so tief, dass man mit einem längeren Überhang aufsetzen würde.

 

Wash Parkplatz

 

Außerdem existiert eine Gewichtsbeschränkung von 3,5 Tonnen. Am Parkplatz angekommen, finde ich die Information geschlossen, aber Topokarten liegen aus. Wer will, kann sich eine mitnehmen. Am Trailhead vorbei trifft man bald auf ein Mahnmal aus alten Drahtschlingen.

 

Trailhead Drahtschlingen Trail Baum Scenery

 

Kurz darauf erfahre ich auch, warum die Info geschlossen war. Sämtliche Ranger sind unterwegs. Sie suchen einen Hund, der sich am Vortag verlaufen und dann im Berg verstiegen hat. Man hört ihn Heulen, wo er ist kann man aber nicht ausmachen.

 

Scenery Scenery Scenery

 

Vor lauter in der Gegend rum schauen verlaufe ich mich. Irgendwann bemerke ich, dass die Pfadzeichen fehlen. Ich laufe also zurück, bis ich wieder die Markierungen sehe. Aber jetzt ist der Wurm drin. Bei einer Weggabelung kann man rechts oder links gehen. Diese Gabelung ist im Wanderführer gar nicht beschrieben. Der Weg nach links wird zur Sackgasse. Also wieder umdrehen.

 

Mir hilft die Karte des WWF. Diese und mein GPS führen mich dann doch auf den richtigen Weg. Der Wanderführer verschwindet im Rucksack, mein Vertrauen ist weg.

 

Ich habe eh keine Lust, die gleiche Strecke wieder zurückzulaufen. Also suche ich nach einem anderen Weg nach unten. Als Weg kann man das was ich gelaufen bin nicht bezeichnen. Etwas verkratzt komme ich schließlich zum Riu Guttureddu.

 

Einen Vorteil hat dieser unkonventionelle Abstieg aber auf jeden Fall. Ganz überraschend stehe ich plötzlich vor ein paar sardischen Hirschen. Allerdings sind es leider keine wildlebenden Hirsche. Hier gibt es ein Gehege. Ich freue mich trotzdem, diese Tiere zu sehen.

 

Hirsch Hirsch Hirsch Hirsch

 

Die nächste Begegnung ist noch einmal lustig. Ich laufe mit Wanderklamotten, GPS, großer Kamera, einem Rucksack auf dem Rücken und etwas verkratzt diesen schönen Weg entlang, und mir kommt ein junges Pärchen mit Flipflops entgegen. Die beiden sehen mich an, als ob ich der Yeti persönlich bin?!?

 

Zurück am Bus entledige ich mich meiner Wanderklamotten und mache mich auf die Suche nach einem Campingplatz. Hier in der Gegend sieht es schlecht aus, also fahre ich noch mal nach Cagliari hinein, und auf der anderen Seite gleich wieder heraus.

 

In Poetto werde ich nicht fündig, hier möchte ich auch nicht bleiben. Ich denke ich habe mich verfahren. Hier sieht es aus wie an der Adria bei Rimini oder Cervia!

 

Je weiter ich nach Osten komme, desto weniger Verkehr ist auf der Straße. Zumindest in meine Richtung ist es ruhig. In Richtung Cagliari staut es sich. Ich fahre bis Capitana. Plötzlich sehe ich auf der linken Seite einen Campingplatz. Die Einfahrt schaffe ich nicht mehr, aber ein paar hundert Meter weiter kann ich ein Dreherle machen. Für heute reicht es. Ich checke auf diesem netten kleinen Campingplatz ein und stelle mein Womo auf.

 

Bulli auf dem Campingplatz Grillecke

 

Mein Blick fällt sofort auf den vorhandenen BBQ Corner. Leider sind die Grills total verrostet. Ich muss mir was einfallen lassen, das Verlangen nach einem anständigen Steak ist einfach zu groß. Der nächste Supermarkt ist gut 2 KM entfernt, also schnappe ich mir mein Fahrrad und radle mit dem Rucksack auf dem Buckel los.

 

Im Supermarkt stolpere ich zuerst über einen Sack Kohle........ Die Fleischtheke treibt mir Tränen in die Augen. Wow, ist das ein Anblick......

 

Plötzlich sehe ich die Lösung meines Problems. Vor mir im Regal hängen verschiedene Grillroste. Ich überschlage, was Kohle, Anzünder und Grillrost wiegen und wie viel Platz sie benötigen und fülle meinen Einkaufswagen. Es dauert ein paar Minuten bis ich das Zeugs, inklusive einer Flasche Wein, dem Steak und dem Gemüse in meinem Rucksack verstaut habe. Ich hoffe, er platz nicht!

 

Schwer bepackt radle ich zurück zum Campingplatz, in Vorfreude auf ein zünftiges BBQ. Zurück am Platz heize ich als erstes die Kohlen an, öffne den Wein..... Mehr wird nicht verraten. Kurz, es hat fantastisch geschmeckt.

 

Ich rolle mehr zum Strand, als dass ich gehe. Es wird aber ein kurzer Besuch, viel Strand existiert nicht. Bei Flut reicht das Wasser bis an die Mauern der Strandhäuser. Mir ist das im Moment egal, ich fühle mich blendend.

 

Abends um 9 hat es noch 23 Grad! Der Abend wird lang, die Nacht kurz.

 

Sonntag, 03.10.2010

 

Heute gibt es nichts großartiges zu berichten. Es ist ein klassischer Ruhetag mit Baden, Faulenzen und ab und zu einen Snack. Mit dem Radl bin ich in die benachbarten Buchten gefahren, das war es auch schon.

 

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