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Donnerstag, 21.05.2009 - Freitag, 29.05.2009

 

Donnerstag, 21.05.2009

 

Heute muss ich mich endgültig von Moab verabschieden. Es geht nach Norden. Und zwar ziemlich weit. Ganz so eilig habe ich es aber trotzdem nicht. Das Frühstück ist reichlich.

 

Wohnmobil mit Jeep als Anhänger

Über die 191 geht es auf die IS70. Aber nicht weit, schon bald wechsle ich auf die 6/191 Richtung Price. Weiter über Helper, der 6 folgend geht es Richtung Provo. Dort ereignet sich auch das einzig Erwähnenswerte.

 

Da das Bargeld wieder knapp wird, will ich heute Traveller Checks einlösen. Diese Gelegenheit bietet sich in einem Supermarkt. Im Vorraum an den Kassen befinden sich ein paar kleine Geschäfte und auch eine Bank.

 

Ich lege die Checks und meinen Pass auf den Tresen und sage: Cashing traveller checks please. Dies scheint auch kein Problem zu sein, die Checks werden mit einem Stempel versehen……. Nur wie geht es weiter?

 

Ich weiß es, der Angestellte der Bank anscheinend nicht. Er fragt seine Vorgesetze. Erst wird telefoniert (wahrscheinlich ob die Checks als gestohlen gemeldet sind) dann darf ich die Checks unterschreiben. Mein Pass stellt die Mannschaft auf die Probe. Sie drehen und wenden ihn und fragen mich dann wo ich denn herkomme.

 

Aaaaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhhhh, das steht doch im Pass, auch auf Englisch! Von Europa haben sie wohl schon gehört, wie schön.

 

Jetzt wollen sie auch noch meine Fingerabdrücke auf den Checks, nur wo ist das verflixte Stempelkissen? Inzwischen sind 20 Minuten vergangen und ich werde etwas ungehalten. Erstens weil es dauert, und zweitens habe ich Lebensmittel im Einkaufswagen. Unauffällig schaue ich mich nach einer versteckten Kamera um. Ich sehe aber keine. Das Stempelkissen ist gefunden, ich hinterlasse meine Fingerabdrücke ……… und das Drama beginnt erst richtig. Die Kasse funktioniert nicht! Das kann doch nicht wahr sein. Ich will meine Checks zurück, das geht aber nicht meint die Filialleiterin. Diese seien schon im System gebucht.

 

Hektisches Telefonieren, mein Blutdruck ist in ungeahnten Höhen, ich will nicht mehr ausschließen, dass ich handgreiflich werde. Nach sage und schreibe 45 Minuten bekomme ich endlich mein Geld. Ein leichter Schauer durchläuft mich, ich stehe kurz vor einem Kollaps. Das glaubt mir keiner, denke ich.

 

Ich will hier nur noch weg. Der Interstate 15 folge ich nach Norden, an Salt Lake City und Odgen vorbei. In Idaho sehe ich viele Bewässerungsanlagen, ohne scheint es nicht zu gehen.

 

Das Fahren funktioniert ganz automatisch, ich mache Strecke. In Idaho Falls habe ich genug und probiere auch gleich mal was Neues aus. Heute übernachte ich auf einem Wal Mart Parkplatz. Nachdem ich fast den ganzen Tag meinen Hintern breitgesessen habe, gehe ich noch ein bisschen Bummeln in den Wal Mart. Die Ausbeute ist gering, ich kaufe nur eine Jumbopackung meiner Lieblingschips: Lay´s Salt and Vinegar.

 

Das Fahren ermüdet doch ziemlich, ich bin halt nicht mehr der Jüngste, also geht es früh in die Heia. Gefahrene Meilen: 454

 

Freitag, 22.05.2009

 

Die Nacht verlief eigentlich ganz ruhig. Einzig und allein die Kehrmaschine, die gegen 03 Uhr rund um mein Womo den Parkplatz sauber gemacht hat, störte ein bisschen. Ansonsten habe ich sehr gut geschlafen, und mich auch völlig sicher gefühlt. Als mich die Kehrmaschine aufgeweckt hatte, warf ich natürlich einen Blick aus dem Fenster. Ich war total überrascht, wie viele Autos um diese Zeit vor dem Wal Mart geparkt waren. So viele stehen bei uns nicht mal untertags vor den meisten Supermärkten.

 

Bison

In Vorfreude auf Yellowstone ist das Frühstück heute etwas knapper ausgefallen. Die 110 Meilen bis Yellowstone sind kein Vergleich zu der Strecke gestern. Die paar Meilen sitze ich auf einer Backe ab. Die Fahrt führt überwiegend durch Farmland. Überraschend bzw. erschreckend ist, dass man ohne Bewässerung hier anscheinend nicht auskommt. Bewässerungsanlagen ohne Ende.

 

In West Yellowstone halte ich nur kurz zum Tanken. Gleich außerhalb des Ortes beginnt der NP. Viel Verkehr ist nicht, ganze 5 Autos sind vor mir am Eingang. Schon nach ein paar Meilen begegnen mir die ersten Bisons. Ich bin völlig überwältigt und kann mich gar nicht sattsehen.

 

Mein erster Anlaufpunkt ist der Madison Campground. Nach den Erfahrungen der letzten Wochen will ich so schnell wie möglich meine Übernachtungsmöglichkeit sichern. Aber auch hier klappt es nicht so wie gehofft. Für heute Nacht bekomme ich einen Platz. Die nächsten Tage sind leider ausgebucht.

 

Ich sehe mir kurz meinen Stellplatz an, mache mich aber gleich auf den Weg zum Old Faithful, nur 3 Tage im Yellowstone sind eh schon knapp bemessen. Leider sind einige Trails zwischen dem West Entrance und Old Faithful gesperrt. Die Sperren sind mit dem Hinweis versehen, dass jetzt die Bärenwanderung stattfinden würde.

 

Einen ersten Halt mache ich am Midway Geysir Basin. Man muss nicht weit fahren, um das nächste Highlight zu sehen: Das Biscuit Basin. Noch ein paar Meter weiter, und ich befinde mich schon in der Old Faithful Area. Hier herrscht ganz schöner Betrieb. Bis jetzt habe ich mein Womo immer gleich wiedergefunden, auf diesem Parkplatz werde ich aufpassen müssen. Hier stehen dutzende Wohnmobile.

 

Vom Parkplatz aus ist es nicht weit bis zum Old Faithful. Der erste Ausbruch hat mich allerdings nicht vom Hocker gerissen. Also laufe ich erst mal eine Runde. Und wieder sind da einige Bisons. Diesmal auch auf den Wegen. Sie denken gar nicht daran weiterzuziehen, so muss ich wieder zurück und einen kleinen Umweg laufen, was solls.

 

Es wird Zeit, zum Old Faithful zurückzukehren. Der zweite Ausbruch gefällt mir schon viel besser. Nach dem zweiten Ausbruch beschließe ich, dass ich zum Madison Campground zurückfahre. Natürlich schaffe ich es nicht, ohne Halt durchzufahren. Ich komme nur bis zum Black Sand Basin.

 

Irgendwie kommt man nie sehr weit. Fest entschlossen, jetzt wirklich ohne Stopp zurückzufahren sehe ich die Abzweigung zum Firehole Lake Drive.......... und biege ab.

 

Nicht viel besser ergeht es mir ein paar Meilen weiter, am Firehole Canyon Drive. Hier habe ich aber wieder das Problem mit dem Parkplätzen. Die meisten sind zu klein für mein Womo. Jetzt geht es endgültig zum Campground. Ich habe Hunger, und die Kohle muss erst angeheizt werden.

 

Dieser Tag hat meine Erwartungen voll erfüllt. Selten war ich von der Natur so beeindruckt wie hier im Yellowstone. Beim BBQ beschleicht mich schon ein komisches Gefühl, als ich das Bisonsteak auf den Grill werfe, aber der Hunger siegt dann doch.

 

Samstag, 23.05.2009

 

Da es draußen ziemlich zapfig ist, fällt das Frühstück wieder sehr kalorienreich aus. Heute will ich mich als erstes um einen Platz für die nächste Nacht kümmern, also geht es Richtung Norris. Erst ein Stopp am Geysir Basin, dann zum CG.

 

Nach einem ausgiebigen Marsch durch das Norris Basin fahre ich als nächstes zum nahen Norris CG. Hat noch jemand Fragen? Nein? Der CG ist voll, was sonst. Ich fahre weiter nach Norden, schließlich gibt es noch mehrere Campgrounds. Es folgt ein kurzer Stopp am Roaring Mountain. Und wie sieht es am Indian Creek CG aus? Ist nicht, alles voll. Na, das kann ja heiter werden. Mein nächster Stopp ist an den Rustic Falls. Diese liegen direkt neben der Straße.

 

Grizzly

Da war doch noch was? Wie sieht es denn auf dem Mammoth CG aus? Alles voll, na klar. Von Mammoth aus geht es jetzt nach Osten. Unterwegs sehe ich dann ein Pronghorn.

 

Eigentlich will ich ja zuerst ins Lamar Valley. Nachdem ich aber immer noch keinen Übernachtungsplatz habe, fahre ich erst einmal zum Tower Fall CG. Was schon fast zu erwarten war. Ich hasse dieses Schild: CG full, ist ja klar

 

Mir ist das jetzt zu blöd. Ich gehe erst mal runter zum Wasserfall. Was soll ich sagen, alles ist abgesperrt. Inzwischen ohne Skrupel, überquere ich die Absperrung und wandere zum Fuß des Wasserfalls. Anhand der Spuren im Schnee erkenne ich, dass nicht nur ich das so mache.

 

Zurück beim Womo beschließe ich, einen CG aufzusuchen der nicht so zentral liegt. Ich fahre ins Lamar Valley, da will ich sowieso hin. Es ist nicht zu glauben, aber auch der Slough Creek CG ist voll. Ich drehe wieder um und beschließe Canyon Village anzufahren. Irgendwo werde ich schon einen Platz finden. Ab hier ist mir das Glück hold. Zumindest was die Tiersichtungen angeht.

 

Bisons. Wie mag das ausgesehen haben, als noch 10.000de Bisons auf den Weiden waren. Ich kann mich kaum losreißen. Etwas ähnliches kenne ich nur von der Beobachtung meiner geliebten Ali´s.

 

An den Tower Falls vorbei geht es weiter Richtung Dunraven Pass. Plötzlich ist ein Riesenstau auf der Straße. Alle Leute steigen aus und deuten auf einen Hang neben der Straße. Ein Bär!

 

Leider bleibt er ständig im Unterholz. Er ignoriert uns komplett und dreht sich nicht einmal in unsere Richtung. So bleibt nur die Seitenansicht. Irgendwann löst sich der Stau auf und es geht weiter über den Dunraven Pass. Kurz danach schon wieder Stau. Es ist wieder ein Bär, diesmal auf der anderen Straßenseite am Hang. Ich kann mein Glück kaum fassen.

 

Diesmal dauert es etwas länger, bis es weitergeht. Noch nie bin ich so gelassen in einem Stau gestanden. Weit bin ich allerdings wieder nicht gekommen. Auf einem Parkplatz bemerke ich Leute, die aus einem Auto heraus etwas mit einem Fernglas beobachten. Da muss man doch anhalten.

 

Ich erhasche aber nur noch einen kurzen Blick auf einen Kojoten. Ihm ist der Betrieb wohl nicht geheuer und verschwindet im Unterholz. Im Canyon Village erwartet mich dann die Überraschung, der CG ist leer, komplett leer weil geschlossen. Ich dreh ab. Das kann doch nicht wahr sein.

 

Die netten Ranger im Visitor Center telefonieren und können mir einen Platz auf einem privaten CG an der Fishing Bridge anbieten. Was bleibt mir übrig, dann fahre ich halt da hin. Für die Landschaft neben der Strecke bis zum Yellowstone Lake habe ich jetzt aber keinen Blick mehr übrig. Ich bin schon ziemlich müde.

 

Am Campground dann die Überraschung. Platz ist schon, aber der Parkplatz vom Wal Mart ist gemütlicher, wer will hier übernachten? Der Betreiber möchte 40 $ für die Nacht, Duschen kostet extra.

 

Zum Ausgleich dafür darf man kein Feuer machen und Schnee liegt auch noch. Ich sichere noch die wenigen Fotos, die ich heute geschossen habe, und schreibe mein Tagebuch. Das Abendessen habe ich nicht erwähnt, also war es wahrscheinlich kalte Küche. Gute Nacht

 

Sonntag, 24.05.2009

 

Die Nacht war ruhig, das Frühstück mit einer Kanne Kaffee, je einem großen Glas Milch und O-Saft, Scrambled Eggs und Toast wieder mal reichhaltig. Das werde ich heute aber auch brauchen. Heute will ich Jagen, die Kamera ist angewärmt, die Objektive sind poliert, die Speicherkarten leer, dafür die Akkus voll. Als Spezialist im zickzack Fahren geht es wieder nach Norden.

 

Inzwischen habe ich ein Auge für die Tierspotter. Die Autos mit Stativ auf dem Rücksitz, Kaffeebecher auf dem Armaturenbrett und CB Funk Antenne auf dem Dach werden von mir heute besonders beobachtet werden. Und diese Taktik rentiert sich. Auch wenn ich durch mein Womo etwas gehandicapt bin, so folge ich den Spottern wie ein Schatten.

 

Sinkhole

Bereits im Hayden Valley gibt es den ersten Bärenstopp. Diesmal sind es gleich 2 Bären. Leider sind sie so weit entfernt, dass ich sogar mit dem 500er Tele und 2fach Konverter nicht richtig ran zoomen kann. Die Aufnahmen sind so schlecht, dass man sie nicht vorzeigen kann.

 

Leider bleiben die Bären auf Distanz, deswegen fahre ich bald weiter. Außerdem bildet sich schon wieder ein Stau. An der Abzweigung zu den Yellowstone Falls befinden sich wieder Bisons auf und neben der Straße.

 

Wie ich erhofft hatte, war am Dunraven Pass wieder ein Bär zu sehen. Fast an der gleichen Stelle wie Gestern. Vielleicht war es ja der selbe??? Ein paar Autos mit CB Antennen sausen an mir vorbei, und ich versuche ihnen zu folgen. Mit Erfolg. Bei Calcite Springs gibt es den nächsten Bären. Diesmal ist es ein Schwarzbär.

 

Nachdem der Bär verschwunden war ging die Sause gleich weiter. Diesmal aber nicht weit. Ein Schwarzbär grast direkt neben der Straße. Der Wahnsinn.

 

An der Tower Junction fahre ich erst mal geradeaus Richtung Mammoth. Leider gibt es nicht viel zu sehen. Also drehe ich um. Ich mache auch noch einmal einen kleinen Schwenk ins Lamar Valley. Wölfe sieht man keine, auch die Spotter haben seit Tagen keine gesehen. Langsam fahre ich wieder Richtung Canyon Village.

 

Gut, dass mich heute keiner Fotografiert hat, ich grinse wahrscheinlich rundum. Von mir aus könnte das ewig so weitergehen.

 

Eigentlich will ich bei den Yellowstone Falls den Uncle Toms Trail laufen. Leider ist er gesperrt. Eine Begründung warum, gibt es nicht. Ich gehe davon aus, dass bloß ein bisschen Schnee liegt. Das ist am Anfang auch der Fall, kurze Zeit später kann ich den eigentlichen Grund erkennen. Eine Mure hat den Weg blockiert. Große Felsbrocken liegen auf der Treppe, Wasser läuft über den Weg. Aus Sicherheitsgründen ist hier Schluss. Das ist mir zu gefährlich.

 

Leider muss ich mich irgendwann um eine Übernachtungsmöglichkeit kümmern. Der CG an der Fishing Bridge fällt aus, die sehen mich nie wieder. Die Alternativen sind allerdings weit weg. Schließlich entscheide ich mich nach West Yellowstone zu fahren, Einkaufen, Tanken und Übernachten.

 

Zuerst geht es am Yellowstone Lake entlang, der Ende April immer noch zugefroren ist. Dann möchte ich mir noch das West Thumb Basin ansehen. An der Einfahrt bemerke ich Mules im Wald. Nachdem ich das Womo abgestellt habe laufe ich zu Kreuzung zurück. Zu diesem Zeitpunkt bin ich noch alleine. Wie es in Yellowstone üblich ist dauert es nicht lange bis die ersten Autos stehenbleiben. 10 Minuten später ist alles dicht.

 

Plötzlich verschwinden die Mules, dafür taucht ein junger Grizzly auf. Der Fotoapparat glüht. Nachdem hier jetzt das Chaos herrscht, gehe ich zuerst zum Womo und anschließend gleich weiter zum See.

 

Allzu lange bleibe ich nicht, es geht ein unangenehm kalter Wind. Jetzt geht es endgültig ohne Stopp nach West Yellowstone. Heute mache ich das was ich normal nie mache, ich gehe in ein Fast Food Lokal. Ich bin mir nicht ganz sicher, glaube aber dass es ein Burger King war. Na ja, der Hunger hat es rein getrieben. Und einmal im Urlaub kann man so einen kulinarischen Ausrutscher schon verschmerzen.

 

Auf dem CG war niemand mehr, im Eingangsbereich waren allerdings kleine Tütchen mit Self Registration Formularen angebracht. Man möchte sich doch bitte am nächsten Morgen melden. Hier gibt es auch wieder Internet. Nur leider funktioniert irgendwas nicht richtig. Jedes Mal wenn ich im Forum zu einem Thema eine Antwort schreiben will, soll ich mich neu einloggen, das nervt. Eine schöne heiße Dusche beschließt diesen außergewöhnlichen Tag.

 

Montag, 25.05.2009

 

Die Nacht war ruhig, das Frühstück ausgiebig, was soll ich sagen? In der Rezeption des Grizzly RV Park ist inzwischen auch schon jemand. Ich bezahle meine Gebühr, unterhalte mich noch eine Weile mit den freundlichen Angestellten und mache mich dann wieder auf den Weg in den NP.

 

Am Eingang eine Überraschung. Ich werde grinsend durch gewunken. Anscheinend scheint sich der Ranger daran zu erinnern, dass ich 2 Tage zuvor schon einmal in den Park gefahren bin. Habe ich so einen schlechten Eindruck hinterlassen? An der West Entrance Rd kommt alsbald wieder die Bisonherde in Sicht. Ich musse wieder stoppen.

 

Gestern bin ich noch daran vorbeigefahren, heute mache ich einen Abstecher auf den Fountain Flat Drive. Einfach nur toll! Heute ist mein letzter Tag im Yellowstone. Irgendwie habe ich noch gar keine Lust, den NP zu verlassen. Nur leider nähert sich mein Urlaub schön langsam aber sicher dem Ende. Am 28. muss ich in Salt Lake City sein.

 

Ich möchte den NP aber nicht verlassen, ohne mir noch die Lodge am Old Faithful anzusehen. Gut, dass mich keiner dabei beobachtet, wie ich gegen die Holzpfähle klopfe. Bei der Vorliebe der Amerikaner für Kunststoff möchte ich überprüfen, ob es sich bei dieser Konstruktion auch wirklich um Holz handelt.

 

Ich mich schweren Herzens auf den Weg nach Süden. Am West Thumb vorbei fahre ich Richtung South Entrance. Noch ein kurzer Halt am Lewis Lake und an den Lewis Falls, dann ist das Abenteuer Yellowstone vorbei.

 

Nach dem verlassen des Yellowstone NP geht es nur noch langsam weiter. Nicht wegen des Verkehrs. Nein, es ist eine Baustelle. Diese ist ohne Probleme passierbar, nur mein Womo rumpelt und scheppert, dass ich glaubte es fällt auseinander.

 

Blick auf die Teton Range

 

Kaum aus dem Yellowstone raus, ist man ja auch schon im Grand Teton NP. Ich bummle ganz langsam den John D. Rockefeller Memorial Parkway entlang, und denke nicht mal daran Fotos zu machen. Ich glaube ich leide an Reizüberflutung.

 

Erst hier bemerke ich mit welcher Geschwindigkeit die Wolken aufziehen. Es bahnt sich ein Wetterwechsel an. So ein Mist, ich hätte die Berge fotografieren sollen, als es noch sonnig war. Diese Chance ist vorbei.

 

Was ich den ganzen Tag gemacht habe, kann ich gar nicht so richtig sagen. Weit ist es ja nicht, aber ich bin erst am späten Nachmittag auf dem CG des Signal Mountain. Die schönsten Plätze am Hochufer sind alle besetzt, aber auch die im landesinneren gelegenen Plätze liegen wunderschön.

 

Noch ein kurzer Spaziergang am Ufer entlang, dann treibt mich der Hunger zurück zum Womo. Selbstverständlich gibt es auch heute ein BBQ und anschließend mache ich das obligatorische Feuerchen.

 

Mit meinem deutschen Nachbarn, einem ehemaligen Geographielehrer verbringe ich dann einen netten Abend am Lagerfeuer. Thema: Die schönsten Reiseziele. Er ist mit seiner Frau unterwegs. Sie haben sich ein kleines Frazerway Womo in Vancouver gemietet und machen eine mehrmonatige Tour durch den Westen der USA. An einem Lagerfeuer, in so einer umwerfenden Umgebung schmeckt ein guter Roter noch viel besser.

 

Dienstag, 26.05. & Mittwoch, 27.05.2009

 

Die Nacht war wie gewohnt schön ruhig. Nach einem ausgiebigen Frühstück packe ich mein Zeug zusammen und fahre...... nein nicht nach Süden, sondern erst mal wieder Richtung Norden. Im Zickzackfahren habe ich schon Übung. Gestern war ich erst am Jackson Lake vorbeigefahren, heute fahre ich wieder zurück, nur um Fotos zu machen und ein bisschen zu wandern.

 

Gott sei Dank ist heute wieder wunderschönes Wetter, und so möchte ich heute die Fotos machen, die ich gestern wegen des Wetterwechsels nicht machen konnte.

 

Zur Abwechslung geht es jetzt mal wieder nach Süden. In Colter Bay laufe ich den netten Wanderweg um die Insel herum. Plötzlich beginnt meine Kamera wieder zicken zu machen. Erst kommt die Fehlermeldung, dass Daten nicht gespeichert werden können, dann ist das Display ausgefallen. Jetzt geht es endgültig Richtung Süden. Den Jenny Lake View Drive fahre ich, kann aber nirgends halten, da die wenigen turnouts zugeparkt sind.

 

Teton Range

Dann verlässt mich leider das Wetterglück. Die Wolken werden immer dicker, und bald kommt der erste Regen. Eigentlich will ich am Jenny Lake noch ein bisschen wandern, aber der kalte Regen nimmt mir jegliche Lust.

 

Trotzdem muss ich feststellen: Eine grandiose Gegend. Und ziemlich unbekannt, bei uns hört oder liest man nicht viel vom Grand Teton NP. Warum eigentlich? Immer weiter geht es nach Süden, kurz vor Jackson mache ich einen Stopp am Elk Refuge. Es ist kein einziger Hirsch zu sehen. So ein Mist. Später erfahre ich, dass Hirsche hier nur im Winter zu sehen sind.

 

Jackson erinnert mich in gewisser Weise an Moab, genauso quirlig. Ein richtig nettes Dorf für Aktivurlauber. Leider kann ich bloß zum Einkaufen anhalten, ich muss noch ein bisschen Strecke machen. Dem schlechten Wetter bin ich anscheinend davongefahren. In der Sonne ist es schon wieder angenehm warm. Aus Jackson raus, biege ich in Hoback Junction scharf rechts ab, und nach ein paar Meilen bin ich wieder auf der 89.

 

Heute will ich noch bis zum Bear Lake kommen. Ein verheißungsvoller Name, der dem Namen dann allerding nicht gerecht wird. Keine Bären, schade. Unterwegs kommt mir irgendwas spanisch vor, ääähhhm französisch. Ortsnamen wie Montpellier, Paris, das erwartet man nicht in den Rocky´s.

 

Übernachten werde ich auf dem Bear Lake KOA. Leider gibt es keine Zugang zum See. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Heute verbrate ich mein letztes Feuerholz. Ich glaube kaum, dass ich morgen in Salt Lake City noch einmal ein Feuerchen machen kann. Schön langsam kommt Wehmut auf.

 

Mittwoch, 27.05.2009

 

Die heutige Tagesetappe soll mich nach Salt Lake City führen. Der Endpunkt der Reise. Etwas lustlos frühstücke ich, checke am CG aus und mache mich auf den Weg. Über Logan und Ogden fahre ich nach Salt Lake City. Da meine Kamera nur noch sporadisch arbeitet fällt Fotografieren fast komplett aus.

 

Eigentlich hatte ich vorgehabt, noch den Great Salt Lake zu besuchen, aber ich bin so down, dass ich das nicht mehr schaffe. In Salt Lake City angekommen, fahre ich gleichn zum Campground und verbringe den Nachmittag damit, das Womo zu reinigen. Obwohl ich zwischendurch immer wieder den Sand aus dem Womo entfernt habe, finde ich an den unmöglichsten Stellen roten Sand.

 

Dank full hook up kann ich das Womo auf Vordermann bringen. Ein letztes mal den Grill angeworfen, das letzte Bisonsteak gegrillt.

 

Das Leben ist Sch……. Ich fühle mich gar nicht gut. Das liegt aber nicht nur daran, dass das Urlaubsende naht, sondern auch daran, dass ich meine Vorräte vernichten muss. Eis, Salat, Steak, Toast, Bier, Chips, Marshmallows wandern in meinen Magen.

 

Es bleibt auch noch Zeit, mich mit der Kamera zu beschäftigen. Eigentlich unnötig, sie lässt sich einschalten und tut so als ob nichts gewesen wäre. Das packen der Taschen nimmt mich auch noch eine Zeitlang in Anspruch. Völlig geschafft falle ich ins Bett.

 

Donnerstag, 28.05. & Freitag, 29.05.2009

 

Der letzte Tag. Eigentlich kann ich ihn ganz entspannt angehen. Mein Flieger geht erst morgen. Der letzte Kaffee, die Milchtüte geleert, die O-Saftkanne geleert, der letzte Toast. Ich fühle mich komisch.

 

Heute muss ich nur das Womo zurückgeben und mit dem Taxi in mein Hotel in Salt Lake City fahren. Meine Technik habe ich ja schon gestern fast komplett abgebaut, also steht der Computer auf dem Beifahrersitz. Ich checke aus und fahre ein letztes Mal auf die Straße. Problemlos finde ich zur Station von ElMonte. In Salt Lake City wird die Station von einem kleinen Subunternehmer betrieben. Der Chef sitzt persönlich im Büro, sieht sich die Unterlagen an, und checkt in 2 Minuten das Womo. Ich bin schon ein bisschen Stolz, dass ich diesen wandelnden Schrotthaufen ohne Beule und Kratzer zurückgeben kann.

 

Temple Square

Die Liste der aufgetretenen Mängel kommentiert er nur mit einem Kopfschütteln. Bis jetzt habe ich noch nichts groß von den Mängeln geschrieben. Denn das ist ein Thema für sich. Es war das zweite Mal, dass ich ein Womo von ElMonte gemietet hatte. Das erste, deutlich älter als das diesjährige war qualitativ hochwertiger und machte keine Probleme. Optisch gab es keine Mängel, das Basisfahrzeug (Ford) war mit Ausnahme der Anzeigen völlig in Ordnung. Aber Optik ist nicht alles. Da muss sich ElMonte was überlegen, sonst verlieren sie den Anschluss.

 

- Bei der Überprüfung des Womos in SFO stellte ich Gasgeruch fest, am Tank war ein Ventil nicht geschlossen!!!!

- Die Versorgungsbatterie stand lose, die Befestigung war nicht angebracht.

- Im Laufe des Urlaubs sind 80% der Innenbeleuchtung ausgefallen, am Ende funktionierten nur noch die Lampen über dem Tisch.

- Dunstabzugshaube defekt.

- Beide Lüfter in den Dachluken ausgefallen.

- Wasserpumpe hat zu rattern begonnen, das Licht hat dabei geflackert.

- Duschen war nicht möglich, da weder die Gas- noch die elektrische Heizung für das Wasser funktionierten.

- Jeden Tag sind irgendwelche Teile abgefallen, (Knebelschrauben der Lüfter, Schrauben)

- Sitzverstellung Fahrersitz abgefallen.

- Fenster im Wohnraum haben sich während der Fahrt selbständig geöffnet, die Verriegelung hat nicht richtig funktioniert.

- Öltemperatur, Wassertemperatur, Spannungsanzeige der Versorgungsbatterie defekt.

Das Fahrzeug war 1 Jahr alt und hatte erst 20 000 Meilen drauf

 

Fairerweise muss ich sagen, dass der Preis unschlagbar günstig war, deshalb will ich die Mängel nicht aufbauschen. Noch habe ich Salt Lake City vor mir. Mit dem Taxi fahre ich ins Hotel, checke ein und mache einen ersten Spaziergang. Die 30° gefallen mir schon mal ganz gut.

 

Ich verlasse den Temple Square und wandere langsam Richtung Bahnhof. Nachdem der Bahnhof von außen interessant aussieht, möchte ich ihn auch von innen sehen. Ich gehe hinein, und --------da ist niemand.

 

Brauerei

Von irgendwo her hört man Stimmen und Kindergeschrei. Ich verlasse den Bahnhof auf der Rückseite, und hier tobt das Leben. Genau so etwas habe ich gesucht. Die nächsten 2 Stunden verbringe ich mit Kaffee trinken, in der Gegend rumschauen und einem Snack. Anschließend geht es ins Hotel für einen kurzen Mittagsschlaf. Lange halte ich es aber nicht aus, das Wetter ist zu schön.

 

Irgendwann fallen mir rote Flaggen auf. Wofür sind die denn??? Wenn man die Straße überqueren will, kann man sich so eine Fahne schnappen und wird dann (hoffentlich) von den Autofahrern besser erkannt. Vor lauter Verblüffung habe ich davon leider kein Foto gemacht.

 

Plötzlich stehe ich vor diesem Haus. Und kurz darauf sitze ich drin. Den Rest des Abends verbringe ich in dieser netten Brauereiwirtschaft. Ich probiere ein paar Biere, das Dinner verspeise ich auch hier. Das ist der optimale Abschluss dieser Reise. Etwas bedüdelt gehe ich ins nahe Hotel.

 

Freitag, 29.05.2009

 

Die Heimreise ist unspektakulär. Ich stehe früh auf, fahre mit dem Hotelshuttle zum Flughafen. Der Flug nach München (mit 2 Zwischenstopps, anders ging es leider nicht) verläuft wie gewohnt, ziemlich zäääääääääääääh.

 

Das Gepäck ist vollzählig, der Zoll kontrolliert mich nicht. Mit dem Flughafenbus geht es in die Stadt zum mittleren Ring. Dort erwartet mich mein Vater, und bringt mich und mein Gepäck zu meiner Schwester. Da steht ja noch immer mein Bus. Ziemlich eingestaubt und verdreckt. Warum hat den keiner gewaschen?

 

Weitere 30 Minuten später bin ich Zuhause. Ich stehe in der stillen Wohnung und frage mich, was ich hier soll?????? Dieser Moment ist immer der Besch....... in jedem Urlaub. Aber der nächste Urlaub kommt bestimmt!!!!!!!!!!!

 

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