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Von Escalante nach Gallup

 

Montag, 20.10.2014

 

Der Morgen startet mit strahlendem Sonnenschein, so mag ich das. Meine Vorräte an frischen Lebensmitteln gehen schön langsam zur Neige, daher führt mich mein Weg als erstes nach Escalante in den Supermarkt.

 

Aber: In Escalante gibt es in der Früh weder Kohle noch Bananen, von frischem Salat mal ganz abgesehen. Angeblich kommt im Laufe des Tages eine neue Lieferung.

 

Der Einkauf wird verschoben und ich fahre über die Hole in the Rock Road zum Trailhead des Zebra Slot Canyon. Die Straße ist ganz OK, der Zustand wechselt aber häufig. Teile sind fast wie geteert, zwischendrin Washboard und glücklicherweise selten übles Washboard. Potholes sehe ich diesesmal keine.

 

Am Trailhead parkt ein Schweizer Fernreisemobil, so etwas könnte mir auch gefallen. Der Trail ist gut zu erkennen und führt durch eine tolle Landschaft. Am Halfway Hollow trifft der Trail auf den Harris Wash, hier biege nach rechts ab. Mein Plan ist es, zum Tunnel Slot zu wandern und durch diesen in einem Bogen Richtung Zebra Slot zu laufen.

 

Soweit der Plan. Die Überraschung erwartet mich am Eingang zum Tunnel Slot. Hier steht tiefes Wasser, damit habe ich nicht gerechnet. Wading boots oder trockene Klamotten habe ich nicht dabei, also bleibt mir nichts anderes übrig als umzukehren. Mist. Während ich durch den Harris Wash zurück laufe mache ich mir Gedanken wie es wohl im Zebra Slot aussieht.

 

Es ist wie befürchtet. Am Eingang steht tiefes Wasser, das allerdings nicht so trüb wie im Tunnel Slot ist. Da ich alleine bin, ziehe ich meine Klamotten aus und gehe bis zu den Oberschenkeln ins Wasser. Das Wasser ist eiskalt, und ich fange sofort an zu frieren. Das ist es mir nicht wert und kehre um, eine Erkältung ist das letzte was ich will. Wieder angezogen kehre ich zurück zum Womo und fahre nach Escalante. Inzwischen ist die Lieferung für den Supermarkt eingetroffen, jetzt gibt es Bananen, Salat und Kohle, das BBQ am Abend ist gerettet.

 

Am Campground sichere ich meine Bilder, ärgere mich immer noch über den verkorksten Tag und versuche mich zu erholen. Morgen geht es Richtung Capitol Reef National Park. Am Abend weht ein kühler Wind, es sind nur wenige Wolken zu sehen.

 

Dienstag, 21.10.2014

 

Am Morgen ist der Himmel immer noch voller Wolken, hoffentlich schlägt das Wetter nicht um. Ich verlasse Escalante und fahre Richtung Calf Creek. Heute möchte ich zum Wasserfall des Upper Calf Creek . Da ich vergessen habe, den Trailhead im Navi zu speichern und nach Gefühl fahre, lande ich natürlich erst mal am falschen Parkplatz.

 

Im zweiten Anlauf bin ich richtig. Ich parke das Womo und mache mich an den Abstieg. Die Aussicht ist grandios, anders kann man es nicht sagen. Die Wolken haben sich fast ganz aufgelöst, perfekt. Der Abstieg über den Slickrock ist manchmal recht steil, Problemstellen gibt es aber keine. Im Herbst ist natürlich nicht viel Wasser im Calf Creek, die Wasserfälle gefallen mir trotzdem.

 

Meinen Plan, den Wasserfall von unten zu betrachten muss ich fallen lassen. Ein zwicken im Wadl lässt mich vorsichtig werden, ich möchte mir keine Zerrung holen. Also verzichte ich auf den weiteren Abstieg und laufe ziemlich vorsichtig den Berg hoch. Die letzten Tage waren nicht mehr so heiß, und wahrscheinlich habe ich einfach zu wenig getrunken. Das rächt sich nun.

 

Ich fahre weiter Richtung Capitol Reef NP. Über dem Boulder Mountain Pass sehe ich ein paar Wolken und in Richtung Torrey werden es immer mehr, na toll. In Torrey tanke ich das Womo auf und gönne mir einen riesen Pott Kaffee. Im Capitol Reef NP gelingt es mir tatsächlich, einen Platz auf dem Campground zu ergattern.

 

Da es erst 15 Uhr ist, beschließe ich doch noch zum Cassidy Arch zu wandern. Das Wadl spielt mit, also los. Nur die Wolken machen mir Sorgen, es beginnt ein richtiges Wettrennen. Die Wolken gewinnen. Kaum bin ich oben am imposanten Arch, liegt alles im Schatten, eine dicke fette graue Wolke verdunkelt alles.

 

Auf dem Rückweg muss es schnell gehen, ein paar Tropfen fallen vom Himmel und ich habe keine Regensachen dabei. Es bleibt aber bei ein paar Tropfen. Zurück am Campground werfe ich den Grill an, und mache mein BBQ. Ein Feuerchen gibt es nicht, meine Campsite hat keinen Feuerring. Der Abend ist angenehm mild.

 

Mittwoch, 22.10.2014

 

Heute steht schon am frühen Morgen ein Hike an. Nachdem ich den Campground verlassen und mein Womo am nahen Trailhead geparkt habe, mache ich mich auf den Weg in den Cohab Canyon und zu den Fruita Overlooks. Die Aussicht ist toll.

 

Ich verlasse den Capitol Reef NP, halte aber noch kurz am Petroglyph Panel. Danach fahre ich über Hanksville und Green River in den Canyonlands NP.

 

Das Goblin Valley lasse ich heuer im wahrsten Sinne des Wortes links liegen. Im Canyonlands NP angekommen, muss ich leider feststellen, dass der Willow Flat Campground wieder mal voll belegt ist. Irgendwie habe ich hier nie Glück.

 

Egal, ich fahre weiter Richtung Upheaval Dome und parke mein Womo am Alcove Spring Trailhead. Dieser Trail ist aber nicht mein Ziel, ich möchte zur False Kiva.

 

Der Trail ist anfangs einfach, dann kommen ein paar anspruchsvollere Teile. Die Location ist toll, die Aussicht überwältigend. Anschließend geht es zum Horsethief Campground gleich außerhalb des Nationalparks. Hier werde ich übernachten.

 

Am Abend bekomme ich noch kurz die Krise als ich beim Überspielen der Fotos bemerke, dass der Speicherkartenteufel zugeschlagen und ein Teil der Bilder unbrauchbar gemacht hat. Ein BBQ gönne ich mir trotzdem.

 

Donnerstag, 23.10.2014

 

Der Morgen ist überraschend mild und sonnig. Nach dem Frühstück mache ich mich auf den Weg zum Jewell Tibbets Arch. Einen Teil der Anfahrt kann man mit dem Womo machen, die Piste ist gerade noch befahrbar. Irgendwann wird es aber zuviel, ich bleibe auf einer Steinplatte stehen.

 

Bis zum Trailhead sind es nur noch ein paar hundet Meter, das ist machbar. Der Trail ist OK, und nicht schwer zu gehen. Der Arch ist na ja......... Definitiv kein must see aber nice to see. Der Canyon selbst ist viel spektakulärer.

 

Zurück am Womo geht es weiter zum Bartlett Panel. Auch hier führt die Zufahrt über eine unpaved Road. Die Straße ist breit und mit leichtem Washboard versehen, lässt sich aber problemlos befahren. Die Parkmöglichkeit gefällt mir nicht so, ich muss auf der Straße stehen.

 

Die Stichstraße die zum Trailhead führt wäre auch mit einem normalen 4 WD nicht zu befahren, tiefe Rinnen bis zu 50 cm sind zuviel. Der Weg ist nicht weit, also laufe ich die paar Meter.

 

Das Panel ist klein, aber ganz nett. Wenn man schon mal in der Gegend ist, sollte man es sich ansehen. Dann geht es weiter Richtung Moab. Ich halte kurz am Visitor Center des Arches NP und besorge mir ein Permit für die Fiery Furnace. Dazu muss man sich ein Video ansehen, dieses ist aber für die Katz. Erwartet hatte ich mir Informationen über die möglichen Probleme in diesen unübersichtlichen Schluchten.

 

Diese Infos gibt das Video nicht her, es ist eher allgemein gehalten wie man sich in der Natur verhalten soll. Zeitverschwendung. Nachdem ich mein Permit habe, fahre ich nach Moab. Der Kühlschrank wird aufgefüllt, und ich checke auf dem Canyonlands CG ein. Wäsche waschen, dann geht es ab in die nahe Brewery. Fertig.

 

Freitag, 24.10.2014

 

Der Wecker klingelt um halb sieben, eine unmenschliche Zeit. Da ich aber so früh wie möglich im Arches NP sein will, klettere ich aus dem Bett. Es ist noch dunkel, auf Moabs Straßen ist wenig los.

 

Im Arches NP angekommen, werde ich von mehreren Autos überholt, die ich alle am Trailhead des Delicate Arch wiedersehe. Der Trail ist anfangs flach, dann kommt die Steigung. Der Schweiß fließt und während ich den Berg hochschnaufe geht schon die Sonne auf, das Aufstehen um halb sieben war also doch nicht früh genug.

 

Bis ich oben bin, erstrahlt der Arch in der Sonne, welch ein toller Anblick. Die Anstrengung des Aufstiegs ist schon vergessen. Der Delicate Arch wirft einen Schatten auf die gegenüberliegende Felswand. Super. Nach einigem Herumklettern und Fotografieren mache ich mich auf den Rückweg. Viele Touris schnaufen den Berg hoch, ich war zur richtigen Zeit dort.

 

Weiter geht es zum Fiery Furnace. Für heute habe ich ein Permit, damit darf ich durch die Schluchten laufen. Das Terrain ist ganz schön anstrengend, aber faszinierend. Hier gibt es einige Arche, leider finde ich nur einen. Die anderen bleiben mir verborgen, denn um zu den Locations zu kommen müsste ich über Felsen klettern die für mich unüberwindbar sind. Oder, ich habe einfach nicht den richtigen Weg gefunden. Das macht aber nix, mir gefällt es hier so gut dass ich auf jeden Fall zurückkehren werde.

 

Am frühen Nachmittag kehre ich müde zum Womo zurück. Auf dem Rückweg zum Parkeingang versuche ich einen weiteren Arch zu finden. Aber: Der Schmidt Arch ist zum vergessen, und auf gar keinen Fall einen Besuch wert.

 

Ich fahre nach Moab und checke noch einmal auf dem Canyonlands CG ein. Ich bummle durch den Ort, mache ein paar kleinere Einkäufe, trinke Kaffee und lasse es mir gut gehen. Am Abend gehe ich noch einmal in die Brewery, das Weißbier und den Burger habe ich mir verdient.

 

Samstag, 25.10.2014

 

Der Morgen gehört dem Wohnmobil, d. h. Abwasser entsorgen, Frischwasser bunkern und Tanken. Heute wird ein Fahrtag, langsam wird es Zeit, dass ich nach New Mexico komme. Hier habe ich ein paar Locations auf dem Programm.

 

Zuerst geht es aber nach Süden, ich mache einen Abstecher zum Newspaper Rock. Der Umweg ist zwar weit, es rentiert sich aber. Den Arch, der gleich ums Eck sein soll finde ich nicht. Mit dem Womo ist das Parken hier nicht so einfach.

 

Ich fahre weiter nach Osten. Beim Blick auf die Karte sehe ich, dass ich direkt am Mesa Verde NP vorbeikomme. Kurz entschlossen fahre ich in den NP, geplant war es nicht. Der Weg zieht sich und zwischenzeitlich bereue ich meine Entscheidung. Ich fahre die Aussichtspunkte ab und schieße einige Fotos. Zeit für die Ruinen habe ich nicht, die lassen sich nur im Rahmen einer geführten Tour besuchen.

 

Mein heutiges Ziel ist Farmington, hier läuft aber einiges schief. Die in der Karte eingezeichneten Campgrounds sind Siedlungen oder nicht schlicht nicht vorhanden. Ich könnte K......

 

Ich überlege ob ich auf dem WalMart Parkplatz übernachten soll, fahre dann aber weiter nach Aztec. Dort komme ich erst nach Sonnenuntergang an, ich checke auf dem Ruins Road RV Park ein. Mein Steak mache ich ausnahmsweise in der Pfanne, ich bin sogar zu müde um den Grill anzuwerfen. Anschließend geht es in die Heia, der Tag war lang.

 

Sonntag, 26.10.2014

 

Der Morgen ist mild und zum Frühstück gibt es erstmals auf dieser Tour Rühreier mit Speck. Für den Vormittag habe ich den Besuch bei ein paar Arches östlich von Aztec geplant.

 

Als erstes fahre ich zum Arch Rock, die unpaved Road ist gut zu fahren. Vom Parkplatz sind es nur ein paar Meter bis zum Arch. Gleich ums Eck ist noch ein Arch, das läuft ja gut. Ein Stück zurück befindet sich der Hoodoo Arch, auch hier muss ich nicht weit laufen.

 

Dann hat es sich aber mit dem Glück. Die Straßen, die ich befahren will sind eine Katastrophe. Schlecht, Eng, Ruppig und Steil. Manche enden vor einer Schranke oder einem Dip, durch den ich nicht durchfahren kann. Mehrmals muss ich Rückwärts fahren um drehen zu können. Dieses Gebiet ist mehr als grenzwertig für ein Womo und ich bin froh, als ich wieder Teer unter den Reifen habe.

 

Es geht zurück nach Farmington, ich brauche einen Kaffee. Im Süden kann ich viele Wolken am Himmel sehen, genau in der Richtung in die ich will. Es wird doch nicht wie im letzten Jahr sein, als mir der Regen den Besuch beim KoW verwehrt hat?

 

Ich fahre trotzdem, es hilft ja nichts. Ich sehe deutlich es ist eine Regenwolke die da durchzieht. Kurz vor der Abzweigung zum KoW ist die Straße nass, es hat geregnet. Jetzt kann es lustig werden, aber; Die Piste ist gut, wenig Washboard, sie sieht aus wie frisch gegradet.

 

Nur die letzte Meile ist mies, ein hoher Mittelstreifen mach das Fahren zum grenzwertigen Erlebnis. Erst ein paar Stunden später erinnere ich mich, dass vor dem hohen Mittelstreifen gewarnt wird. Na, ja. Ich parke am Windrad, und mache mich auf den Weg quer durch die Pampa. Ich muss strikt nach Wegepunkten laufen, visuelle Bezugspunkte gibt es hier kaum.

 

Der Traum wird wahr, ich finde den King of Wings. Er ist ein Naturphänomen, ich kann mich gar nicht satt sehen. Nur der starke kühle Wind verleidet mir ein bisserl den Besuch. Nachdem ich ihn ausgiebig fotografiert habe, laufe ich zurück zum Womo. Dort angekommen, fahre zurück zur 371 um den heutigen Übernachtungsplatz bei den Bisti Badlands anzusteuern.

 

Ganz unter dem Eindruck des KoW passe ich nicht richtig auf und biege falsch ab Richtung De-Na-Zin Wilderness ab. Ich merke es aber relativ schnell und drehe um. Kurz darauf finde ich die richtige Abzweigung und rumple über übles Washboard zum Parkplatz. Verstreut im Gelände stehen noch ein paar andere Camper, alleine bin ich also nicht. Es ist nach wie vor windig, wird aber milder.

 

Montag, 27.10.2014

 

Der Wind hat in der Nacht das Womo so durchgerüttelt, dass ich eher das Gefühl hatte auf See zu sein, als im Wohnmobil. Am Morgen ist alles vorbei, die Sonne strahlt. Das ist das ideale Wetter um die Bisti Badlands zu erkunden.

 

Mit Rucksack und viel Trinkwasser bewaffnet mache ich mich auf den Weg. Je weiter man in diese surreale Landschaft eindringt, desto schöner wird sie. Unzählige Hoodoos und eine Vielzahl an eigentümlich geformten Felsformationen finden sich hier. Es ist wenig los und obwohl ich bis zum Nachmittag hier herumlaufe, sehe ich nur 4 andere Menschen.

 

Auf dem Rückweg treffe ich plötzlich auf einen Zaun. Ich bin überrascht, denn in keiner der Beschreibungen der Gegend wird ein Zaun erwähnt. Ich habe nicht genügend Hände um den Stacheldrahtzaun auseinanderzudrücken und durchzuklettern, also muss ich ihn umgehen. Nur in welcher Richtung? Ich kann nicht erkennen wie der Zaun verläuft, also laufe ich nach Westen, Richtung Straße. Zu Hause am Computer stellt sich heraus, dass das ein riesiger Umweg war.

 

Nach etlichen Kilometern in den Beinen bin ich ziemlick KO, ich setze mich in das Womo und fahre Richtung Gallup. Hier tanke ich für $2.99 den bisher billigsten Sprit dieser Reise.

 

Den Red Rock Park, auf dessen Campground ich übernachten will muss ich umzingeln. Die erste Ausfahrt führt mich in eine Sackgasse und ich lande in einer Baustelle. Erst die zweite Ausfahrt führt mich zum Ziel. Anmelden kann ich mich nicht, es ist niemand erreichbar. Erst später kommt ein Ranger vorbei und kassiert.

 

Nach dem BBQ und einer wohltuend heissen Dusche sinke ich ins Bett.

 

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