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Von Los Angeles bis zum Valley of Fire

 

Gepäck im Wohnzimmer

Mittwoch, 08.10.2014

 

Reisetag. Ich darf ausschlafen, anders als in den letzten Jahren muss ich nicht schon in der Früh am Flughafen sein. Mein Flug geht erst am Nachmittag. Überhaupt bin ich heute etwas entspannter als sonst.

 

Ist es das Glück, dass ich diesesmal nicht in der Holzklasse, sondern in der Business Class fliegen darf?

 

Oder liegt es daran, dass ich mich nicht um die Gewichtsgrenze von 23 Kilo kümmern muss?

 

Egal, ich bin mehr als Urlaubsreif und froh, dass es endlich losgeht.

 

Business Class? Hat der im Lotto gewonnen? Nein, aber wenn ich schon einen Prämienflug buche, dann bestimmt nicht in der Holzklasse. Meilen hatte ich genug, also gönne ich mir diesesmal die Luxusvariante des Fliegens.

 

Das Packen fand in den letzten 2 Tagen statt, mit ein Grund warum ich viel zu viel Zeugs mitgenommen habe. Schon im Treppenhaus habe ich bemerkt, dass die Taschen viel schwerer sind als sonst. Der Taxler hat mich beim einladen in den Kofferraum auch gefragt, was ich da alles eingepackt habe. In diesem Jahr fahre ich mit dem Taxi zum Hauptbahnhof, von dort geht es mit dem Flughafenbus zum Flughafen. Diese Variante ist günstiger, als mit dem Auto zum Flughafen zu fahren und dort auf einem bewachten Platz zu parken.

 

Am Flughafen genieße ich die kurze, bzw. nicht vorhandene Wartezeit am Check In der Business Class, mein Gepäck bin ich so schnell los wie noch nie. Die Sicherheitskontrolle zieht sich wie immer, und genau so wie immer wird mein Fotorucksack auf Sprengstoff untersucht. Ich laufe noch ein bisserl durch das Terminal, dann suche ich die BC Lounge der Lufthansa auf............ und bin enttäuscht. Hier sieht es aus wie in einer Kantine. Kühl, ohne Charme, unbequem, ich will es gar nicht glauben.

 

Es wird Zeit, das Boarding beginnt in Kürze. Auch hier ist es angenehm, gleich am Anfang durch einen seperaten Eingang einsteigen zu dürfen. Es gibt kein Platzproblem für das Handgepäck, der Sitz ist anfangs ganz bequem, der Fußraum sagenhaft. Die Versorgung mit Getränken und Essen ist toll, so dürfte das immer beim Fliegen sein. Ich verwandle den Stuhl in ein Bett und schlafe ein paar Stunden. Auch daran könnte man sich gewöhnen. Der Flug ist ereignislos und ruhig, nur sieht man leider nicht viel, hohe Schleierwolken verdecken die Sicht.

 

In Vancouver geht es durch dunkle Gänge und plötzlich stehe ich vor der US Immigration. ???? Wo bin ich??? Ich dachte Vancouver ist in Kanada??? Aber tatsächlich, in Vancouver kann man schon in die USA einreisen. Hier gibt es eine Außenstelle der US Immigration. Mit dem US Stempel im neuen Pass verbringe die kurze Zeit bis zum Anschlußflug nach LA. Der Weiterflug ist nicht ganz so bequem, die Sitze enger, der Fußraum kürzer. Aber bis LA dauert es nicht so lange. Spät am Abend lande ich endlich in LA, das Gepäck kommt schnell und ist komplett. Mit dem Shuttlebus geht es zum nahen Hotel. Ich bringe das Gepäck aufs Zimmer, verlasse noch kurz das Hotel um etwas zum Trinken zu kaufen, dann geht es ins Bett.

 

Es ist bereits Mitternacht, zum Schlafen bleiben nur ein paar Stunden, dann muss ich mit dem Taxi zu einem anderen Hotel fahren. Wenn man so wie ich "Early Pick Up" gebucht hat, wird man in LA nur vor einem bestimmten Hotel abgeholt. Da dieses nicht in meiner Preisklasse liegt, muss ich diesen kleinen Umweg in Kauf nehmen.

 

Donnerstag, 09.10.2014

 

Nach nur 4 1/2 Std Schlaf klingelt das Telefon, der Weckdienst des Hotels ist dran. Leider eine Stunde zu früh, aber egal, jetzt bin ich wach. Ich surfe im Internet, die Wettervorhersage hört sich gut an. In den ersten Tage erwarten mich Sonne und hohe Temperaturen.

 

Ich checke aus und bestelle das Taxi. Nach nur 5 Minuten bin ich am Pick Up Hotel. Eine knappe Stunde später, gegen 07.35 kommt das Shuttle vom Womo Vermieter. Ich bin der einzige Fahrgast und nach 45 Minuten Fahrzeit quer durch LA sind wir an der Vermietstation. Ich bin froh dass wir gut angekommen sind, für meinen Geschmack war der Fahrer viel zu flott unterwegs.

 

Die Übernahme geht schnell, inzwischen habe ich Erfahrung. Das Wohnmobil ist fast neu und hat Winterreifen, nicht schlecht. Ich lade die Taschen ein und fahre vom Hof, ein erster wichtiger Punkt ist das Einkaufen. Im nahen Wal Mart mache ich den Großeinkauf, 200 Dollar wechseln den Besitzer. Ich will so schnell wie möglich raus aus LA, daher räume ich nur die Lebensmittel in den Kühlschrank, den Rest mache ich später.

 

Auf dem Weg zum ersten Ziel, dem Painted Canyon werde ich plötzlich müde. Die Spannung der letzen Monate mit den fast endlosen Überstunden fällt auf einen Schlag ab. Ich bin so fertig, dass ich mich entschließe heute keinen Hike mehr zu machen.

 

Einen Campground zu finden ist gar nicht so einfach. Egal wo ich hinkomme, nirgends bekomme ich einen Platz. Entweder sind es geschlossene Resorts oder man muss für mindestens 3 Nächte bleiben. Ich bin genervt und fahre bis zum Joshua Tree NP durch. Bevor ich auf dem White Tank CG einchecke gibt es einen kurzen Halt am Cholla Cactus Garden.

 

Nachdem ich das Womo am CG abgestellt habe mache ich einen kurzen Hike zum Arch Rock, dann baue ich den Grill zusammen. Schließlich will ich mir heute schon mein erstes BBQ gönnen. Ein paar Minuten beobachte ich noch den klaren Sternenhimmel, dann geht es ins Bett, ich bin KO.

 

Freitag, 10.10.2014

 

Am Morgen geht es mir besser, der Schlaf hat geholfen. Ich räume die Einkäufe im Womo auf, dann geht es noch einmal zum Arch Rock.

 

Ich verlasse den CG und fahre zum Skull Rock. Eine kurze Runde, dann geht es weiter zum Parkplatz des Barker Dam Trail. Der Damm selber interessiert mich weniger, ich komme wegen des Petroglyph Rock. Trotzdem laufe ich den ganzen Trail. Im Sammelbecken vor dem Damm ist sehr wenig Wasser, ein Indiz dass es in letzter Zeit nicht viel geregnet hat. Der Petroglyph Rock ist faszinierend.

 

Danach geht es weiter zum Hidden Valley. Dieser Trail ist ebenfalls toll, er führt durch eine sagenhafte Landschaft. Ein Arch direkt neben dem Trail, und etliche Kletterer in den Steilwänden fesseln den Blick.

 

Zurück am Womo verlasse den NP und fahre zum 49 Palms Canyon. Dieser gehört schon wieder zum NP. Der Hike ist schön, aber anstrengend. Es gibt keinen Schatten, die Temperatur liegt locker über 30 Grad und der Wind kühlt auch nicht wirklich. Die Palmen im Canyon laden zum Rasten ein. Ich halte ein kurzes Schwätzchen mit anderen Wanderern, dann laufe ich zurück.

 

Das Womo verlangt nach Sprit, ich tanke in 29 Palms. Anschließend geht es weiter Richtung Kelso Dunes. Die Straßen sind extrem schlecht, ein riesiges Schlagloch folgt dem anderen. Dadurch komme ich viel langsamer voran als gedacht. Das ist bescheiden, denn so verpasse ich den Sonnenuntergang in den Dünen.

 

Was mir auch nicht bekannt war, oder ich schon wieder vergessen hatte, die letzten Meilen bis zu den Dünen sind Gravel, Waschbrett vom übelsten. Im Licht der Scheinwerfer erreiche ich den Parkplatz vor den Dünen, der Boondockingplatz ist mit einigen Campern schon gut belegt. Ein ganz kurzer Spaziergang, dann mache ich mir was zum essen. Heute bleibt die Küche kalt.

 

Samstag, 11.10.2014

 

Ich stehe früh auf, die Sonne ist noch nicht aufgegangen. Ich packe den Rucksack, schnappe mir die Kamera und laufe Richtung Dünen. Der Sonnenuntergang wäre mit Sicherheit spektakulärer gewesen, der Sonnenaufgang ist aber auch nicht schlecht.

 

Nur 2 andere Fotografen sind unterwegs, trotzdem kann ich nicht in Ruhe fotografieren. Ein Fotograf läuft immer vor mir rum, das nervt. Ich gehe bis zur großen Düne, klettere aber nicht ganz hoch, der Sand ist tief und es ist zu heiß.

 

Zurück am Womo, bin ich allein am Boondockingplatz. Ein schnelles Frühstück, dann mache ich mich auf den Weg zurück zur Straße. Ob Waschbrett auf der Gravelroad oder die tiefen Schlaglöcher auf der Teerstraße, ich muss langsam fahren, das Womo rumpelt und scheppert.

 

Mein erstes Ziel heute ist die Lava Tube. Wie ich es erwartet hatte, auch auf dieser Zufahrt gibt es eine Waschbrettpiste. Es ist übel zu fahren, aber ich komme an. Am Trailhead bekomme nicht nur ich große Augen. Ich bewundere die voll offroadtauglichen Jeeps, und die Jeepfahrer fragen sich wahrscheinlich auch wie ich mit dem Womo hierher gekommen bin.

 

Der Trail ist kurz, die Lava Tube ist ganz nett, aber kein must see. Nachdem ich eine Klapperschlangenhaut gefunden habe, verzichte ich auf eine weiter Untersuchung der Tube, mir ist das zu gefährlich. Ich möchte keine Konfrontation mit einer Klapperschlange in einer Höhle.

 

Den Aikens Arch streiche ich, one way wären das 2 Meilen, und bei über 30 Grad ohne Schatten ist mir das im Moment zu viel. So ganz Fit bin ich noch nicht. Ich fahre zurück zur Straße und mache mir inzwischen Gedanken wo ich heute übernachten soll.

 

Ein kurzer Stopp am Kelso Depot, dann geht es weiter Richtung Midhill Campground. Nach der Abzweigung von der Teerstraße reicht es mir aber schon wieder. Die Straße ist unpaved, auch hier Waschbrett vom feinsten. Dann wird es richtig lustig. Der Midhill CG ist eine Katastrophe. Abgestorbene Bäume ohne Ende, der CG wirkt vernachlässigt, es ist kein Mensch hier. Hier bleibe ich auf keinen Fall, ich kehre um und fahre Richtung Cal Nev Ari.

 

Die Kilometer ziehen sich, erst kurz vor Sonnenuntergang bin ich am Campground. Es ist herrlich heiß, erstmals schalte ich die Klimaanlage an, lade die Akkus und setze mich vor das Womo. Ich muss Gas rausnehmen, das ist die Erkenntnis dieses Tages. Mir ist das jetzige Tempo zu hoch.

 

Sonntag, 12.10.2014

 

Ich stehe früh auf und sichere meine Fotos von gestern. Danach verlasse ich Cal Nev Ari und fahre ein Stück Richtung Las Vegas, biege aber bald Richtung Nelsons Landing ab. Das erste Ziel ist nicht weit entfernt, ich möchte zur Murl Emery Bridge. Der Parkplatz ist östlich der Straße, d. h. ich muss umdrehen. Eine Wendemöglichkeit ist bald gefunden, nur ein paar hundert Meter weiter Richtung Nelson ist genug Platz.

 

Der Trail ist meist einfach zu laufen, ein paar kleine Klettereinlagen und dichtes Gestrüpp, das ist alles. Die Bridge ist ganz nett, aber kein must see. Es geht zurück zum Womo, der Schweiß läuft, es gibt keinen Schatten.

 

Mehr ist für heute nicht geplant, es geht weiter Richtung Las Vegas zum Einkaufen. Ich fülle den Kühlschrank auf, anschließend führt mich der Weg ins Outlet. Ich brauche Jeans und T-Shirt. Die Preise sind OK und so ist der Einkauf schnell erledigt.

 

Ich suche mir einen Parkplatz hinter dem Bally´s. Hier habe ich schon einmal übernachtet, der Parkplatz liegt günstig in der Nähe des Strips und Wohnmobile dürfen hier über Nacht stehen. Ich schnappe mir die Kamera und breche zum ersten Spaziergang über den Strip auf. Einen Stopp mache ich im Hard Rock Cafe, nicht zum Essen, sondern zum Einkaufen.

 

Ein paar Mitbringsel wandern in meinen Rucksack und es geht zurück zum Womo. Für ein paar Minuten lege ich mich hin, dann gibt es Abendessen. Sobald es Dunkel ist mache ich mich wieder auf die Socken. Der zweite Spaziergang über den Strip steht an. Die Hölle ist los, tausende Touristen bevölkern den Strip. Aber das Wasserspiel vor dem Bellagio lockt mich dann doch, ich sehe es mir gleich 3 x an. Dann reicht es mir, ich laufe zurück zum Womo, es geht ins Bett.

 

Montag, 13.10.2014

 

Es wird ein früher Start in Las Vegas. Es geht ins Valley of Fire und obwohl ich schon ein paarmal hier war gibt es immer noch ein paar Ecken die ich nicht kenne.

 

Bei bestem Wetter erreiche ich das VoF, so früh am Morgen ist wenig los. Ich checke sofort auf dem Arch Rock CG ein. Beruhigt, dass ich einen Platz für die Nacht habe, fahre ich dann weiter ins Hinterland Richtung White Domes Area.

 

Beim letzten Mal hatte ich den Spider Arch übersehen, dieser kurze Hike steht als erstes an. Vom Parking Lot 3 ist es nur ein paar Meter bis zum Arch. Zurück am Womo fahre ich zum Parking Lot 2 und parke.

 

Hier soll es in den Canyons einen Arch ohne Namen geben. Die mögliche, fragliche Position habe ich, auf diesem Weg wird das aber nichts. Ich finde keinen Weg durch die Canyons. Immer wieder stehe ich vor steilen unüberwindlichen Felswänden. Macht nix, da lasse ich mir für das nächste Mal etwas einfallen.

 

Weiter geht es zum Fire Canyon. Hört sich toll an, meine Begeisterung hält sich aber in Grenzen. Das ist die erste Ecke des VoF, die mich nicht in ihren Bann zieht.

 

Ich fahre weiter zum Mouse´s Tank. Erstaunlicherweise bekomme ich problemlos einen Parkplatz, das ist neu. Der offizielle Trail ist nicht lang, die Petroglyphs sind toll, wenn auch manchmal nur schwer zu sehen. Im hinteren Teil des Canyons finde ich noch einen Arch, über den hatte ich noch gar nichts gehört.

 

Im Internet hatte ich Fotos von Petroglyphs gesehen, die sich weiter im Hinterland des Mouse´s Tank befinden sollen. Ich steige ab in den Canyon und laufe in die Richtung. Aber auch hier finde ich den Weg zu den angeblichen Petroglyphs nicht. Einmal ist der Slot zu eng, einmal ist mir eine Felswand im Weg. Nach dem Urlaub stelle ich fest, dass zumindest ein Teil der Fotos auf Google Earth "misplaced" sind. Ärgerlich.

 

Aber egal, hier hinten ist es toll, viele Arche und keine Leute. Ich kehre zum Womo zurück, für heute reicht es. Am Nachmittag bin ich zurück am CG und ruhe mich aus. Kurz vor Sonnenuntergang heize ich den Grill an, BBQ ist angesagt. Der Abend ist mild, und da es Wolkenlos ist, bietet der Sternenhimmel ein beeindruckendes Bild.

 

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